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Europäische Möbelstile

Wissen

Definiert werden Möbel als bewegliche Gegenstände in einem Raum, die ihn bewohnbar und nutzbar machen. Trotz dieser einfachen Zweckbestimmung haben sich im Laufe der Geschichte nicht nur gleichartige Möbelstücke entwickelt. Wie Architektur und Kunst bestimmt sich ein Möbelstil nach der Mode. Er ist veränderbar und prägt mit seinen charakteristischen Designs ganze Epochen. Einige Möbelstile lassen sich ganz allgemein auf den Zeitgeist einer historischen Periode zurückführen, andere nehmen ihren Anfang durch die Kreativität einer Möbelwerkstatt oder eines bestimmten Möbeltischlers.

Der Charakter eines Möbelstils
Um Möbel einem Möbelstil zuzuordnen, wird eine Vielzahl verschiedener Beurteilungskriterien herangezogen. Das verwendete Material ist dabei ebenso entscheidend wie eingesetzte Zierelemente, Intarsien oder Polsterstoffe. Dazu wird die Linienführung des Möbelstils beurteilt. Änderungen im Laufe der Lebensdauer der Möbel können das ursprüngliche Aussehen verfremden. Dies gilt insbesondere für Bezüge und Farben. Sie sind Abnutzungserscheinungen und auch Modeströmungen unterworfen. Bei jedem Möbelstil ist zu bedenken, dass die Möbel zur Zeit ihrer Entstehung eher selten als zu einem bestimmten Möbelstil zugehörig bezeichnet wurden. Der Name eines Stils hat sich oft erst später durch die historische Betrachtung ergeben und konnte den Möbelwerkstätten gar nicht geläufig sein. Weitgehend unabhängig davon entwickelten sich zudem die Bauernmöbel, die sich mehr durch ihre Bemalung als durch ihre besondere Formgebung einordnen lassen.

Die europäischen Möbelstile bis zum 19. Jahrhundert
Die frühen Möbelstile vom 11. bis zum 17. Jahrhundert waren zunächst sehr einheitlich und auch langlebig. Romanik, Gotik und Renaissance beherrschten sechs Jahrhunderte lang mit ihren Stilelementen die Möbel in deutschen, englischen und französischen Raum. Eine eher ländertypische Teilung erfolgte erst im Barock, der in Frankreich als Louis-Quartorze an die Regierungszeit Ludwig XIV. gebunden war und in England zunächst durch den Queen-Anne-Style gefolgt von frühem Georgian geprägt wurde. Das folgende Rokoko oder auch Theresianisch in Österreich teilt sich in Frankreich in die kurze Régence-Periode von 1715 bis 1723, die vom Louis-quinze-Stil abgelöst wurde. Der englische Möbelstil entwickelte sich zum Mid Georgian und später zum Chippendale-Stil.

Die Entwicklung ab dem 19. Jahrhundert
Während kulturhistorisch der Klassizismus begann, prägte in Deutschland bereits mit den aufkommenden Interessen des Bürgertums der Zopfstil die Möbel. In Österreich wird diese Stilrichtung als Josephinisch bezeichnet. Frankreich durchlebte zunächst politisch wie stilistisch die Zeit von Louis-Seize, die schließlich durch den Directoire-Stil abgelöst wurde, der die Ornamentik und üppige Verzierung gegen die schlichteren Linien der nachroyalistischen Zeit tauschte. Er führte zum napoleonischen Empire-Stil auf dem Kontinent, während England zunächst nach Adam das Regency erreichte. Mit dem Ende Napoleons folgte die Zeit der Restauration und des Biedermeiers. Bürgerliche Werte und der Wunsch nach Solidität spiegelten sich auch in den Möbeln wieder, besonders auffällig im viktorianischen Möbelstil Englands. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann mit dem Jugendstil in Deutschland und dem Art Nouveau wieder eine neue Leichtigkeit der Linien.